Windkraft im Binnenland
Forum für Windenergie im Energieland Rheinland-Pfalz
23. Oktober 2008 an der Fachhochschule Bingen
Entwicklung der Windkraft aus kommunaler Sicht


Winfried Himmerich, Ortsbürgermeister der Gemeinde Mündersbach
Diplomingenieur FH, Forstoberamtsrat a. D., geb. 23.12.1942
1966 bis 2007 Revierleiter des Forstreviers Mündersbach im Forstamt Hachenburg
seit 1979 Ortsbürgermeister der Gemeinde Mündersbach


Wenn die Bundesregierung ihre ehrgeizigen Klimaschutzziele erreichen will, müssen alle mitmachen: Bund, Länder, Kommunen, Industrie und Verbraucher. Dabei steht fernab jeder Ideologie fest: Versorgungssicherheit, Umweltverträglichkeit und Bezahlbarkeit können nur durch einen breiten Energiemix erreicht werden. Frau Staatsministerin Margit Conrad sagt: „Rheinland-Pfalz ist ein Land voller Energien“.

Es kommt also darauf an, aus unserem Potential etwas zu machen. Dabei haben wir keinen großen Spielraum, die Finanzen zwingen uns zum Handeln. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass wir dauerhaft in der Lage sind unser Heizöl bei Herrn Putin oder das Gas bei Herrn Schröder einzukaufen.

 

Franz Alt schreibt in seinem Buch „Zukunft Erde“:

Wir kennen die Lösung der Energiekrise: In einigen Jahrzehnten gewinnen wir alle Energie aus Windkraft, aus der Sonne, aus nachwachsenden Bioenergiequellen, aus Erdwärme und Wasserkraft. Bioenergie vom Acker und aus dem Wald ist die vielseitigste aller erneuerbaren Energiequellen. Die Solarenergie ist die populärste – aber die Windkraft ist die dynamischste Energiequelle.


Eine Gemeinde hat nicht alle Möglichkeiten, die Franz Alt aufzeigt. Jede Gemeinde muss ihre Möglichkeiten erkennen. Wir haben uns in einem ersten Schritt für die Windkraft entschieden. Auf unser Betreiben wurde im Westerwald der Windpark „Hartenfelser Kopf“ gebaut.

Die Kommunen haben bei der Energieerzeugung aus Windkraft in Rheinland-Pfalz eine große Verantwortung. Die ertragreichsten Standorte befinden sich auf den Höhenlagen der Mittelgebirge. Die Höhenlagen sind weitgehend bewaldet. Der Wald gehört zu über 50% den Kommunen.

Das ist eine große Herausforderung aber auch eine einmalige Chance. Bis zum Jahre 2000 war es nicht möglich, Windkraft im Wald sinnvoll zu nutzen. Es fehlten die über 100 m hohen Türme. Außerdem war der Wald in Rheinland-Pfalz für die Windkraft bis 2002 tabu. Erst damals setzte im Landtag eine Diskussion ein, den Wald für die Windkraft zu öffnen.
 

Der Standort muss sorgsam ausgewählt werden.

Optimal ist eine Festschreibung im Landesentwicklungsprogramm und Regionalen Raumordnungsplan. Allerdings war der erste Teilplan Windenergie ein Schuss in den Ofen, sehr schlecht gemacht, mit unmöglichen Standortvorschlägen. Um falschen Entwicklungen zu begegnen, mussten wir selbst agieren.

Unser Windparkstandort, der „Hartenfelser Kopf“, ist mit 479 m Höhe über NN die erste höhere Erhebung vom Rhein her zum Westerwald, die sich den meist aus Südwesten kommenden Winden und Stürmen entgegen stellt. Weitere wichtige Standortvorteile sind: Der Standort liegt 2 km vom nächsten Ort entfernt und ist über die B 8 günstig zu erreichen. Es gab beim Bau keine Verkehrsbelästigung für die Bevölkerung.

 

Interkommunales Projekt.

Um den Standort optimal zu nutzen mussten wir mit vier Gemeinden, die in zwei Verbandsgemeinden liegen, zusammen arbeiten. Im März 2003 trafen sich erstmals die Ortsbürgermeister und sprachen sich für das gemeinsame Projekt aus. Im April tagten die vier Gemeinderäte gemeinsam und folgten nach anfänglicher Skepsis dem Rat der Ortsbürgermeister.

Mit der Firma JUWI aus Bolanden wurde schnell ein Ansprechpartner gefunden, der schon in der Hunsrückgemeinde Moorbach ein großes Projekt realisiert hatte. Das erste Treffen, Herr Dr. Ewald war damals noch in Diensten der Fa. JUWI, verlief äußerst konstruktiv. Kurze Zeit später lagen ein erstes Angebot und ein Vertragsentwurf vor.


Akzeptanz der Bevölkerung

Nun galt es, bei der Bevölkerung um die notwendige Akzeptanz zu werben. In Einwohnerversammlungen wurde die Bevölkerung über den geplanten Windpark aufgeklärt. Die Zustimmung wuchs mit der Qualität der Aufklärung. Mit Genugtuung können wir sagen, dass es im förmlichen Genehmigungsverfahren keinen einzigen Einspruch gegen den Bau des Windparks gegeben hat.

 

Verträge ohne Kleingedrucktes

Die Beratung der Verträge in den gemeinsamen Gemeinderatssitzungen war anstrengend. Ich hatte mich für den Windpark besonders stark gemacht, mir oblag es daher auch die gemeinsamen Ratssitzungen zu leiten und die Verträge zu besprechen. Es gab kritische Fragen zu vielen Details, dennoch gelang schon im November 2003 der Durchbruch und am 29.12.2003 konnten die Verträge mit der Fa. JUWI unterzeichnet werden.

Die Verträge haben eine Laufzeit von 25 Jahren. Ein eventueller Rückbau danach ist durch eine Bankbürgschaft abgesichert. Die Pachtzahlung der Betreiber wurde klar geregelt.

 

Sauberes Genehmigungsverfahren

Die Verbandsgemeinden Hachenburg und Selters machten umgehend ihre Hausaufgaben und nahmen die Flächen als Windkraftstandorte in ihre Flächennutzungspläne auf.

Das Genehmigungsverfahren wurde nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz bei der Kreisverwaltung des Westerwaldkreises in Montabaur durchgeführt. Bei diesem aufwendigen Verfahren werden hohe Standards an die Umweltverträglichkeitsprüfung gestellt. Es bietet dafür eine hohe Rechtsicherheit. Von den 16 geplanten Anlagen waren vier Anlagen nicht genehmigungsfähig. Sie wurden aus dem Projekt herausgenommen, um das Gesamtprojekt nicht zu gefährden. Am 27. Oktober 2005 wurde die endgültige Baugenehmigung erteilt.


Hohe Standards beim Umweltschutz

Die praktischen Fragen des Umweltschutzes und des Ausgleichs wurden parallel zum fortschreitenden Verfahren mit der Unteren Landespflege der Kreisverwaltung und dem Forstamt Hachenburg geführt. Beide Behörden waren sehr kooperativ. Das Forstamt konnte die Rodungsgenehmigung für 5.64 ha Waldfläche erteilen. Hierbei handelt es sich weitgehend um mittel alte Fichten Reinbestände, die durch den Windwurf 1990 bereits stark geschädigt waren.

Als Ausgleich für den Eingriff in die Natur wurden die Anlagen mit Laubholzgürteln umpflanzt, die angrenzenden Fichtenbestände mit Buchen unterbaut und ältere Buchen unter Schutz gestellt.

 

Als Ausgleich für den Eingriff.....

   

Synergieeffekte bei Planung und Bau

Dadurch dass wir unsere konkreten Vorstellungen rechtzeitig bei der Planung mit eingebracht haben, wurden große Synergieeffekte erzielt. Der Ausbau der Waldwege dient nicht nur dem Bau der Anlagen, die gesamte Infrastruktur der angrenzenden Wälder wurde verbessert. Die Stellplätze für die Baukräne sind heute befestigte Holzrückeplätze.

Bauausführung

Vom Frühjahr bis zum Herbst 2006 wurde gebaut. Am 30.09.2006 konnte der Windpark mit einem großen Fest eröffnet werden. Über 1200 Menschen nahmen daran teil. Das zeigt das große Interesse der Bevölkerung an der Windkraft.

Die Bauphasen:

 

Rodung und Wegebau
Fundamentbau
Turmbau
Kopfmontage
Einweihung
 

 

Bilanz

Der Windpark „Hartenfelser Kopf“ besteht aus 12 Windrädern des Typs Ennercon E-70 mit einer Gesamtleistung von 24 Megawatt.

Die Anlagen haben eine Nabenhöhe von 113.5 m und einen Rotordurchmesser von 71 m.

Die Investitionskosten von 30.000.000 Euro bedeuten eine hohe Investition in die Wirtschaftsregion Westerwald.

Im Jahr 2007, dem ersten Laufjahr, wurden 45.200.000 Kilowattstunden Strom erzeugt. Das reicht aus, um 12.000 Haushalte mit Strom zu versorgen.

Bei einem Einspeisepreis von 8,36 Cent je Kilowattstunde ergibt dies einen Ertrag von 3.778.720 Euro, eine Wertschöpfung, die weitgehend in der Region verbleibt und die einige Arbeitsplätze schafft.

Die beteiligten Gemeinden erhalten für 2007 eine Pacht von ca. 220.000 Euro.

Gegenüber herkömmlicher Stromerzeugung werden jährlich ca. 30.000 to Treibhausgas CO 2 eingespart.

Und noch ein besonderes Bonbon für den Naturschutz: Im Nachgang wird in der Gemeinde Mündersbach aus Mitteln der Ausgleichsabgabe für den Naturschutz eine Bachaue von 17 ha Größe, die vor 40 Jahren mit Fichten zugepflanzt worden war, renaturiert. Die Arbeiten laufen derzeit.


Fazit

Die Windkraft ist in den Mittelgebirgen von Rheinland-Pfalz eine hervorragende Alternative in der Energieerzeugung.

Der Strom ist sauber und kostengünstig. Die Preise sind auf Jahre hin festgeschrieben.

Die Kommunen verdienen durch Pacht- und Gewerbesteuereinnahmen.

Das gelingt nur, wenn der Standort optimal gewählt ist. Hierbei haben die Kommunen eine hohe Verantwortung.

Eine hohe Windhöffigkeit, eine gute Verkehrsanbindung und ein entsprechender Abstand von den Ortschaften sind Grundvoraussetzungen. Wenn das Land sich an den optimalen Standorten orientiert, kann Rheinland-Pfalz den Strom für die privaten Haushaltungen, zumindest auf dem Land, komplett aus Windenergie erzeugen.

Werden aber aus Profitgier zweit- und drittklassige Standorte gewählt, werden wir nicht den gewünschten Effekt erreichen. Das Ergebnis wird sein, wir verschandeln die Landschaft und unrentable Anlagen und Windparks fallen dem Steuerzahler zur Last.

Bei sorgsam ausgewählten Standorten kommt die Akzeptanz der Bevölkerung von selbst. Wo diese nicht erreicht wird, sollte man Abstand nehmen.

Klare Verträge und ein sauberes Genehmigungsverfahren sorgen für eine hohe Rechtssicherheit.

Hohe Standards beim Umweltschutz dienen der Umwelt und dem Naturschutz und damit auch uns selbst.

Durch eine gute Zusammenarbeit über mehrere Gemeinden hinweg werden viele Einwendungen und Einsprüche vorneweg vermieden.

Durch eine gute Planung können große Synergieeffekte erzielt und die Baukosten erheblich gesenkt werden.

Das große Defizit derzeit: Die genannten Punkte sind nicht Kriterien des Genehmigungsverfahrens. Dadurch ist vieles möglich, was der Windenergie und unserem Land erheblichen Schaden zufügen kann. Dies abzustellen ist vordringliche Aufgabe der Politik.

 


 

Windkraft im Wald – Top oder Flop

Mitgliederversammlung des Kreiswaldbauvereins Westerwald e.V. am Mittwoch, 21. April 2004 in Hintermühlen

Referat pro Windkraft: Winfried Himmerich, Ortsbürgermeister der Gemeinde Mündersbach und Revierleiter des Forstreviers Mündersbach

Kaum ein Thema hat in der letzten Zeit die Gemüter in unserem Raum so erhitzt wie der weitere Ausbau der Windkraftpotentiale im Westerwald, angestoßen durch einen völlig unausgegorenen „Teilplan Windenergienutzung“ des regionalen Raumordnungsplanes Mittelrhein-Westerwald. Viele haben sich in Leserbriefen mehr oder weniger qualifiziert geäußert, an den Stammtischen und in den Gemeinderäten, aber auch in den Familien wird über dieses Thema kontrovers diskutiert. Seitdem in Rheinland-Pfalz die Politik das Signal für das Öffnen des Waldes zur Nutzung der Windkraft gegeben hat, beschäftigen sich auch die Waldbesitzer vermehrt mit diesem Thema und fragen sich: Windkraft – Top oder Flop in meinem Wald?

Der geschickte Taktiker Fritz Rhensius, der Geschäftsführer Ihres Vereines, hat mit der Auslotung der beiden Pole „Pro oder Contra“ die kontroverse Diskussion auf den Punkt gebracht. Aber ich muss Sie enttäuschen, eine so einfache Regelung: „Dafür oder Dagegen“ gibt es nicht. Jeder Waldbesitzer tut gut daran, den Einzelfall sorgfältig zu prüfen.

Die letzte Jahrestagung des Deutschen Forstvereins im September in Mainz stand unter dem Thema: Forstwirtschaft im Dialog... gemeinsam die Zukunft gestalten! Um diese Diskussion zu führen, müssen wir wissen: Wo stehen wir heute und wo wollen wir hin? Wenn wir das nicht tun, werden wir nur getrieben.

Dem Deutschen Wald geht es schlecht. Die Waldschadenserhebungen zeigen, dass sich die Schäden auf hohem Niveau festgesetzt haben. Die menschlichen Aktivitäten haben seit Beginn der Industrialisierung in starkem Maße zu einem Anstieg der Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre geführt. Wichtigste Ursache hierfür ist die Verbrennung fossiler Brennstoffe zur Erzeugung von Energie. Wenn sich der gegenwärtige Trend ungehindert fortsetzt, so werden sich die CO2-Emissionen in den nächsten 100 Jahren verdreifachen.

Nach dem derzeitigen Stand der Klimaforschung muss es als sehr wahrscheinlich gelten, dass diese Veränderungen die natürliche und menschliche Lebenswelt ganz erheblich beeinträchtigen.

Den Deutschen Waldbesitzern und Forstverwaltungen geht es schlecht. Anlässlich der letzten Mitgliederversammlung der Rheinland-Pfälzischen Sägeindustrie in Neustadt sagte der Leiter von Landesforsten, Joachim Leonhardt: „Von 118 Forstämtern im Jahre 1992 haben Ende 2003 noch 45 Forstämter überlebt. Gleichzeitig droht die Überalterung des Personals. Wegen des langjährigen Einstellungstops gibt es in der Verwaltung kaum Leute unter 35 Jahren. Uns steht das Wasser bis zum Hals.“

Ausgelöst ist diese Entwicklung durch die seit 1990 kontinuierlich fallenden Holzpreise und die miserable Finanzentwicklung bei Bund, Ländern und Gemeinden.

Die Waldbesitzer und die Deutsche Forstwirtschaft reagieren auf diese prekäre Situation, man kann positiv auch sagen „Herausforderung“, mit einem radikalen Wandel der Bewirtschaftungsmethoden. Durch die Umweltkonferenz von Rio und den damit einsetzenden Agenda-Prozess greifen mehr ökologische Einsichten. Es folgt die Abwendung von der Großflächigkeit und Einförmigkeit hin zum starken Einzelbaum und der einzelnen biologischen Nische. Die Kreativität jedes einzelnen Waldbesitzers ist gefragt.

Meine Gemeinde Mündersbach hat einen Waldbesitz von ca. 450 ha. Dieser Waldbesitz ermöglichte den Gemeindebürgern bis 1955 die Steuerfreiheit und der Gemeinde beinahe alle Investitionen, wie Gemeindehaus, Sportplatz, Kindergarten usw..

Seit den Stürmen von 1984 und 1990 hat sich das Blatt gewendet. Der Holzvorrat ist stark reduziert, die gefallenen Holzpreise lassen eine Steigerung des Einschlags um jeden Preis in betriebswirtschaftlicher Hinsicht sehr fraglich erscheinen.

Um die Situation an unserem Beispiel festzumachen: Als ich vor knapp 40 Jahren das Forstrevier Mündersbach übernahm, lag der Holzpreis für einen fm Fichten-Starkholz bei 200 DM und der Stundenlohn der Waldarbeiter bei 4 DM. Von einem fm konnten wir beinahe 50 Arbeitsstunden bezahlen. Heute liegt der Stundenlohn einschl. Lohnnebenkosten bei über 30 Euro und der gleiche fm Fichte kostet noch die Hälfte, 50 Euro.

Der Wald stellt für die Gemeinde Mündersbach einen Vermögenswert von ca. 7.5 Millionen Euro dar. Es ist für einen Besitzer und Geschäftsführer nicht sonderlich erbaulich, wenn man mit einem solchen Vermögenswert permanent rote Zahlen schreibt oder gerade so eine schwarze Null hinbekommt.

Um die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen haben wir schon mit Ausländischen Baumarten experimentiert, Weihnachtsbäume angebaut, Schmuckreisig angeboten. Alle Lohn- intensiven Betätigungen scheiden praktisch aus. Eine wirtschaftliche Nische ist die Windkraft. Sie wird von der Bundesregierung gefördert und ihr Ausbau wurde gerade in den letzten Tagen weiter festgeschrieben und auch die Landesregierung von Rheinland-Pfalz strebt einen Anteil von 15% des Energieanteils aus Windkraft an.

Die Gemeinde Mündersbach liegt am Rande des Dierdorfer Beckens, am Übergang vom ehemaligen Unter- zum Oberwesterwald. Die höchste Erhebung, der „Hartenfelser  Kopf“ erreicht eine Höhenlage von über 470 m über NN. Der Berg ist leicht nach Südwesten, der Hauptwindrichtung, geneigt. Vom Rhein her gibt es keine höhere Windbarriere. Das haben wir bei den Sturmkatastrophen von 1984 und 1990 schmerzlich zu spüren bekommen.

Alle potentiellen Betreibergesellschaften, mit denen wir verhandelt haben, bescheinigen dem Standort günstige Windverhältnisse, man nennt das eine hohe Windhöffigkeit.

Der Standort liegt mitten im Wald. Die Entfernung zu den nächsten Wohnstätten beträgt Luftlinie 1.5 km.

Forstlich geht es um Nachkriegsaufforstungen nach Reparationshieben durch die Franzosen, um mittelalte Fichtenbestände, ökologisch nicht sehr wertvoll, die durch die Stürme von 1984 und 1990 geschädigt sind.

Nach meinem Verständnis ein optimaler Standort.

Forstwirtschaft im Dialog! Kein Schlagwort. Wir haben uns mit den Gemeinden, die sich diesen Standort teilen, Hartenfels, Höchstenbach und Mündersbach, zusammengesetzt, alle anstehenden Fragen in mehreren gemeinsamen Gemeinderatssitzungen und Bürgerversammlungen erörtert und beraten und sind zu dem Entschluss gekommen: dieser Standort ist geeignet, und wir haben ihn gemeinsam vermarktet. Die Gemeinde Herschbach hat sich angeschlossen.

Die Bauanträge wurden bei der Kreisverwaltung eingereicht, für einen Normalverbraucher kaum vorstellbar: 160 Aktenordner!

Es sollen insgesamt 12 Anlagen der Zwei-Megawatt-Klasse errichtet werden.

Hiermit wird Strom für 10.000 Haushaltungen erzeugt.

Die Einsparung von CO2 Emissionen beläuft sich auf 39.000 to jährlich gegenüber der Erzeugung aus Steinkohle.

Die Waldbesitzer erhalten eine Pachtentschädigung von 6% des Nettostromerlöses, mindestens aber 16.000 Euro je Anlage.

  1. Fazit

        Ich bin für Windkraft, weil

  • wir durch CO2-Vermeidung einen sicherlich bescheidenen Anteil - aber immerhin 39.000 to jährlich - zum Klimaschutz leisten

  • wir zeigen damit Flagge in der umweltpolitischen Zielsetzung der Gemeinde, entsprechend dem Leitbild der Nachhaltigkeit

  • die Windenergienutzung wird zu einem festen Standbein für den Wohlstand und die finanzielle Sicherheit der Gemeinde. Die Gemeinde Mündersbach erhält für 5 Anlagen 80.000 Euro jährlich, vertraglich garantiert über einen Zeitraum von 25 Jahren.

  • mit den Ausgleichszahlungen für das Roden der Bauflächen in den Fichtenbeständen können wir die Struktur der Nachbarbestände ökologisch erheblich aufwerten

  • mit den Ausgleichszahlungen für den nicht reparablen Eingriff können wir eine größere Umweltmaßnahme verwirklichen (Renaturierung einer Talaue)

  • das lokale Gewerbe profitiert von den Aufträgen beim Fundamentbau, der Errichtung der Netzanbindungen und der Wegeerschließung

  • nach der Abschreibungsphase zahlen die Betreibergesellschaften an ihrem Firmensitz Gewerbesteuer (etwa in Höhe der Pacht)

  • in der angespannten wirtschaftlichen Situation unseres Landes tun wir etwas zum volkswirtschaftlichen Nutzen. Es werden immerhin 40 Millionen Euro investiert, die eine Vielzahl von Arbeitsplätzen ermöglichen.

Die finanzielle Grundlage von Windkraftanlagen wird in erster Linie durch das Erneuerbare-Energiengesetz geregelt, das Vergütungssätze für Strom aus Windkraft vorsieht. Die Vergütung erfolgt somit nicht aus dem öffentlichen Haushalt. Der Vergütungssatz beträgt derzeit 8.8 cent/kWh.

Dieses Steuerungsmodell müsste uns Waldbesitzern mehr als sympathisch sein. Es könnte für uns angewendet bedeuten: Für den umweltfreundlich produzierten Rohstoff Holz erhält der Waldbesitzer einen garantierten Festpreis von mindestens 30 Euro/fm. Leider haben wir es bisher soweit noch nicht gebracht.

Schadstoffeinsparung:

Gegenüber der Stromerzeugung durch Steinkohle werden bei der Windenergie 612 to CO2 je 1.000.000 kWh eingespart

damit für 1 Anlage 2.448 to

für den Windpark mit 16 Anlagen 39.168 to

Ertragserwartung:

Pro Anlage wird ein Stromertrag von 3.100.000 kWh je Jahr erwartet.

Jahresertrag: 3.100.000 kWh a 0.087 Euro = 269.700 Euro

Pacht: 6% von 269.700 Euro = 16.182 Euro

Copyright © 2003 Gemeindeverwaltung Mündersbach, www.muendersbach.de , Alle Rechte vorbehalten. Letzte Bearbeitung am Montag, 01 März 2010