Das Spinnen

Wilhelmine Pfeiffer im Jahre 1932. Sie beherrschte noch die Kunst des Flachsspinnens. Gegenüber der Schafwolle war beim Flachs wesentlich mehr Vorarbeit erforderlich. Beim Riffeln wurde der Flachs durch einen Stahlkamm gezogen um die Samenstände abzustreifen, die zum Ölpressen und teils für Viehfutter verwendet wurden. Danach kam das Rösten, wobei durch bakteriellen Abbau die Pflanzenteile zersetzt wurden, die die Flachsfasern zusammenhalten.  Man legte hierfür den Flachs einfach ins Freie und überließ ihn für zwei bis 5 Wochen dem Einfluss von Tau und Sonne. Nach dieser Prozedur musste der Flachs getrocknet werden. Bei schlechtem Wetter wurden hierfür auch die außerhalb des Ortes stehenden Backhäuser (Backes, Backesser) benutzt. Dann wurden die Stängel in einer einfachen hölzernen Vorrichtung gebrochen, wobei sich die holzigen Teile  von den Fasern lösten.  Danach kam das Hecheln. Hier wurden die Pflanzen durch ein Nagelbett gezogen wobei die zu kurzen Fasern entfernt wurden. Diese Kurzfasern, das so genannte Werg, wurde zum Abdichten von Holzfässern und als Matratzenfüllung verwendet. Zu guter Letzt wurden die langen Fasern sorgsam ausgerichtet und auf einen Spinnrocken gewickelt, aus dem die Fasern beim Spinnen heraus gezogen wurden.

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Else Köhler, eine von einigen Frauen, die das Spinnen noch beherrschen Spulspindel mit Spinnflügel

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Der Faden wird durch eine Bohrung der Spulspindelachse geführt, und läuft über den Kamm des Spinnflügels auf die Spule. Mit der Drehung der Spulspindel wird nun der Faden gedreht. Da die Antriebsrille der Spule kleiner ist als die der Spulspindel, dreht sich die Spule schneller und spult dadurch den Faden auf.

Die Fadenführung  

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Man nimmt nun eine gute Handvoll Wolle und zieht, wie man auf dem Bild sieht, laufend eine kleine Menge Wolle aus dem Wollballen heraus und lässt zwischen Daumen und Zeigefinger die Drehung des Fadens zu. Je gleichmäßiger die Wolle gezogen wird, desto gleichmäßiger wird auch der Faden.

  Das Ziehen der Wolle

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Wenn man einen dickeren Faden zum Stricken haben möchte, spinnt man trotzdem einen dünnen Faden und verdrillt später 2 oder mehr Fäden zu einem dickeren Faden.

Das Spinnen  

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Dazu nimmt man die Fäden die vom Spulenhalter kommen und führt sie durch die Hohlachse der Spulspindel, führt sie über den Spinnflügel auf die Spule und knotet sie dort fest. Wenn sie jetzt das Spinnrad in Bewegung setzen, werden die Fäden verzwirnt und aufgespult. Wichtig ist, das die Drehrichtung des Spinnrades entgegengesetzt ist der Drehrichtung die beim Spinnen verwendet wurde. Beim Spinnen lasse ich das große Antriebsrad im Uhrzeigersinn laufen. Beim Verdrillen also entgegengesetzt.

Die Spulen wurden auf der einen Seite halbrund gedrechselt, wodurch sie auf dem einfachen Spulenhalter kaum Berührung hatten und dadurch sehr leicht drehten. Spulenhalter für max. 4 Spulen

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Wenn Sie die Wolle in Form von Strängen aufbewahren oder weitergeben wollen, aber auch zum Strecken des Fadens nach dem Verdrillen mehrerer Fäden, geben Sie die Spulen auf den Spulenhalter und wickeln die Wolle dann auf den Haspel. Wenn Sie später die Wolle zu einem Knäuel wickeln, haben Sie den Faden mehrmals bewegt, wodurch er sich leichter verstricken lässt.

Haspel  

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Der Fußantrieb Kurbelwelle mit Antriebsstange

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