Mündersbacher Mundart,  
  "  Su schwätzen mir en Mönnerschbisch  "
 
Aus den Kindheitserinnerungen "Oos Welt - dumols" .
von Robert Lotz, Lehrer i.R
 
zum Lexikon
 
Etwas über die Sprache der Mündersbacher.

   Jeder weiß das es die Westerwälder Mundart nicht gibt, denn jeder Ort hat seine speziellen sprachlichen Eigenheiten. Inzwischen sieht es so aus, als seien auch diese örtlichen Mundarten im Aussterben begriffen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die Heimatkundler mögen den Verlust bedauern. Selbst wenn der Verfall sich durch gezielte Pflege in Gruppen, Vereinen und Verbänden hinauszögern ließe, auf die Dauer wird man ihn nicht aufhalten können.

  Für Kulturgeschichte, Sprachforschung, insbesondere die Etymologie (befasst sich mit dem Ursprung und der Geschichte der Worte und Wortfamilien), sowie für die Siedlungs- und Entwicklungsgeschichte sind die Mundarten jedoch stets eine unverzichtbare Quelle gewesen, deren Tiefe bis in vorgeschichtliche Zeiten zurückreicht, in eine Zeit, aus der uns keine schriftlichen Zeugnisse überliefert sind. Für eine ganze Reihe von Wissenschaften wird das Versiegen der mundartlichen Quellen also einen herben Verlust darstellen. So kommt dem folgenden Kapitel neben einem zweifellos interessanten Unterhaltungswert eine durchaus ernste Bedeutung zu.
Earlätz = Hornisse

   In meiner Jugend gab es im Dorf kaum ein Dutzend Leute, die "der Schrift noh schwätzten". Wer hochdeutsch redete, kam in der Regel aus der Stadt, d. h. von weit her und hatte den Ruch der "Besseren Leute". Sich mit ihnen im ungewohnten Hochdeutsch zu unterhalten, war für den Einheimischen anstrengend, obwohl man sich dabei nur zur Hälfte "fürnehmer" Worte bediente. Meist war es ein Kauderwelsch, das in Mündersbach einst spöttisch als "Hochdeutsch mit Striemen" bezeichnet wurde.

  Auf dem Schulhof hingegen waren hochdeutsche Worte selten. Allenfalls Lehrers- und Försterskinder konnten es sich leisten, "fürnehm" zu reden, aber selbst die verfielen im Laufe der Zeit in die Niederungen des "Halbdeutschen".

   Lustig war es, Kleinkindern zuzuhören, die von Hause her noch ganz der Mundart verhaftet waren, wenn sie "feine Leute" spielten und sich "hochteutsch" unterhielten. "Tann kachte tie Melsch üpa unt tas Kint tat so tügges Stimmen machen, taß man nischt ans Pügeln kam". Die Überbetonung von "t" und "p" zeigt indessen, daß den Kindern die schlaffe Aussprache dieser Laute bei den Erwachsenen aufgefallen war.

   Die Mündersbacher Mundart ist in ihrer Grundstruktur dem moselfränkischen Sprachraum zuzuordnen, ist aber stark von benachbarten rheinischen Elementen durchsetzt, wie auch ein ungeübtes Ohr leicht bemerken kann, wenn es "Kölsche" Laute vernimmt: "Koochen", "Döppen", "Fööß", "Pänz", "Jöngelschen", "verstohn" klingen uns sehr vertraut. Weniger auffällig sind die nachbarlichen Einflüsse aus Hessen und Westfalen.

   Die Einbürgerung von Fremdwörtern in die Mundart und deren unqualifizierte Aussprache löst bei dem Sachkundigen oft Heiterkeit aus wegen der seltsamen Verbalhornungen. So kam z. B. während der amerikanischen Besatzung nach dem Ersten Weltkrieg das englische "motorcycle" für Motorrad in Umlauf, das sich in Mündersbach zum "Morasäckel" für den Beiwagen mauserte.

   Nicht wieder zu erkennen sind auch viele französische Ausdrücke, die vorwiegend in der napoleonischen Zeit hier Fuß gefasst haben und zum Teil später einen Bedeutungswandel erfuhren:

Mundart

französisch

hiesige Bedeutung

     

allee schwinn

allez suite

los, schnell

räsenieren

raison

erregt und abfällig reden

schwadronieren

escadron

laut, viel unüberlegt reden

Fisaasch

visage

abfällig für Gesicht

Affegoot

advocat

Rechtsanwalt

driwwelieren

travailler

antreiben, nötigen

Kurasch

courage

Mut

redur

retour

zurück, rückwärts

üwwatuat

tour

überanstrengt

Scheeß

chaise

altmodisches Fahrzeug

Kamesol

camisole

blaue Arbeitsjacke

veragedeeren

accorder

vereinbaren,Vertrag schließen

veralmedeeren

alimenter

ernähren, versorgen

Schabellchen

javelle

Schemel

Schlótten

echalotte

Pflanzenblatt der Zwiebel

Dippo

depöt

Gefängnis

beduppeln

duper

täuschen, betrügen

Mann

manne

Korb mit zwei Henkeln

Deetz

tete

Kopf

   Es ist recht amüsant, die französische Bedeutung im Wörterbuch nachzuschlagen. Gleiches gilt für Begriffe, die aus dem Lateinischen stammen, heute aber kaum noch gebräuchlich sind:

Mundart

lateinisch

hiesige Bedeutung

     

ästamieren

aestimare

beachten

kaptelieren

capitulare

länger dienen (beim Militär)

rungenieren

ruina

zerstören, zugrunde richten

seggedieren

secundare

sich erwehren, durchsetzen

   Hier sei auch noch auf einige Besonderheiten in Mündersbach verwiesen, die dem Fremden besonders auffallen, weil sie vom Hochdeutschen so sehr abweichen, dass sie das Verstehen der Mundart besonders erschweren.

  Da sind z. B. die Endungen auf "-er", die in ein "-a" verfallen: Meter wird zu Meda, Feuer zu Faua, Muster zu Mosda, Wasser zu Wassa, Tochter zu Doochda. Noch irritierender aber ist der Wandel vieler (nicht aller!)       "-ter"- bzw "-der"-Endungen zu "-ra": Futter wird zu Foora, Butter hingegen zu Bodda, aber Gewitter wird zu Gewirra, Bruder zu Broora, Mutter zu Moora, Vater zu Vorra, Kater zu Korra, Feder zu Fèrra, Puderbach zu Porra­bach, Bretter zu Breera, Lieder zu Liera, Wetter zu Wérra, wieder wird ebenfalls zu wérra. Auch im Wortinnern wandelt sich oft das d oder t zum r: Braten zu brooren, raten zu rooren, schneiden zu schnäiren, Rote Rüben zu rure Röwen, Totenhof zu Durenhof Vorderwiese zu Vórrawiß.

 Merkwürdigerweise hat sich im nahen Roßbach und in den westlich benachbarten Dörfern eine   vergleichbare Variante herausgebildet,  bei der sich in den zuletztgenannten Beispielen das "r" zum "l" wandelt, was den Roßbachern die Spott-Redensart eintrug, sie gingen no Póllabach Lella hollen". Würden die Mündersbacher sagen: Oos Korra hät ald werra en det Foora getreren", dann lautete das in Roßbach: „Oos Kolla hät ald willa en det Foola getrelen".

Schlódderfaß

   Ein weiterer Unterschied zu Roßbach liegt in manchen äu­Lauten: In Mündersbach sagt man: Höüsa, Möüsjen, Köüs (dicker Brotkanten), Löüs und Schöüsel; in Roßbach hingegen: Häisa, Mäisjen, Käis, Läis und Schäisel.

   In Mündersbach erscheint oft anstelle eines "o" oder "u" ein "a": gemarjen (von "Guten Morgen"), vadarwen, gestarwen, sarjen (von sorgen, besorgen), Karf, Darf, Kapp (von Kopf), Knapp (von Knopf), rabben (von rupfen), Schapp (von Schuppen).

   Noch viele andere Umlautungen ließen sich anmerken, wie "b" zu "f`": Korb - Karf, Kalb - Kalf, halb - half, oder "b" zu "w": heben - hewen, Kälber - Kälwa, selber - selwa, aber - a(u)wa. Sie alle hier aufzuführen, würde den Rahmen dieses Kapitels sprengen.

  Nur noch auf die Eigenart, in manchen Wörtern den ä-Laut zu einem breiten "ä-a" herunterzuziehen, sei hingewiesen, weil mit dieser Besonderheit die Mündersbacher in entsprechender Übertreibung oft gehänselt werden. Es hört sich wahrlich nicht gerade lieblich an, wenn aus dem Rechen ein "Räachen", aus stechen ein "stäachen", aus verstecken ein "vastäachen", aus versprechen ein "vaspräachen" wird, wobei das "ch" zu allem Übel auch noch wie bei "ach" ausgesprochen wird. Selbst ohne das "ch" ist die Abwandlung von essen zu "äaßen", lecken zu "läaken", dreckig zu "dräakelich" und Messer zu "Mäaß" bzw. "Mäaßa" kein Ohrenschmaus.
Dillchen

   Auf die Schreibweise bzw. Lesart von Mundarttexten ist schon manche Mühe verwendet worden, ohne dass sie zu einer befriedigenden Praktik geführt hätte. Um der Sache gerecht zu werden, müsste man auf die internationale Lautschrift zurückgreifen. Die würde jedoch ein fließendes Lesen arg behindern. Deshalb habe ich mich für eine annähernde Schreibweise in den Buchstaben des normalen Alphabetes entschieden und einige Vokalbesonderheiten gekennzeichnet.

   Die Mündersbacher Mundart kennt nämlich Ä-, E-, O-, Ö- und Ü­Laute, die mit herkömmlichen Rechtschreibregeln nicht darzustellen sind, weil sie so im Hochdeutschen nicht vorkommen. Für den Leser, der des "Mündersbacherischen" nicht mächtig ist, seien deshalb Hilfen mit Akzentzeichen bzw. mit Unterstreichung gegeben:

Lexikon "Mönerschbisch-Deutsch"

 

Mundartwörter (Aussprachehinweise)

ä = tiefes ä wie in "Stärke", zuweilen aber auch in der Dehnung z.B. "Bähn" (Beine);

ö = tiefes ö wie in "Löcher", auch in der Dehnung, z.B. "Höhner" (Hühner);

o = tiefes o wie in "Sonne", in der Dehnung, z.B. "Hohn" (Huhn);

ó = hohes o wie in "Sohn", gelegentlich auch in der Schärfung,z.B. in

      "Tóffeln" (Kartoffeln);

é = helles e wie in "Tee", auch in der Schärfung, z.B. "Bétz", "èll".

 

 

Ääd = Egge

aaf = ab

äämes = jemand

äänewisch = ohnehin, sowieso

Äar = Hausflur

äaßen = essen

äbbes = etwas

äbsch = verkehrt herum

afährt = erschrocken

agäänst = entgegen

ahönna = nach hinten

äilisch = ständig, immerzu

Albab (veraltet) = Großvater

Albab = Großvater

ald = schon

als = immer (wieder), immerzu

alsfart = immerfort

Ämätzel = Ameise

Ambern = Himbeeren

Ammam = Großmutter

änewich = ohnehin, sowieso

Ank = Genick

Änn, om Änn, = Ende, am Ende, vielleicht

anommischt = ohnmächtig

ärjern = ärgern

Arwed = Arbeit

Arwel = Armvoll

aushäcken = ausdenken, erfinden

awer = aber

awöscht = erwischt

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baalhürisch = schwerhörig

Bab, Babba = Papa, Vater

bäbschisch = klebrig

Backes = Backhaus

Backschäirer = lange Brennholzscheite für den Backofen

bäen = baden von Körperteilen

bammeln = lose herunterhängen

Bamsch = Kurzsense (Mittelding zwischen Sichel und Sense)

Bännel = Band, Schnur

Bänneln = Bänder

Barsch = kastriertes, männliches Schwein

bässern, Bässerung = düngen, Dünger

batten = nützen, z. B. „dat hät nix gebatt“

Bättspreed = Tagesdecke

bazzelinen = porzellanen

bedoon sein, sich bedoon = übermäßig besorgt sein,

bedubbeln = betrügen, mogeln

beeren = bieten

beet = erschöpft, müde, ruiniert

begäänen = begegnen

Béggel = Salzpökel; auch: Pickel, Kreuzhacke

Beisch = Bund (Stroh)

Belzen = Quaddeln von Insektenstichen

bés = bist

Béssem = Besen

beßjen = bißchen

bestooren = verheiraten

Bétz = Baumwiese am Haus

Bier = Zuchteber

bläächen, of da Blääch = bleichen, auf der Bleiche

bläck = nackt, bloß

bläifst = bleibst

bläiwen = bleiben

blénn = blind

blou = schnee- und eisfrei

Böardcher = Ränder (Verzierung)

Bölles = klobiger, ungeschlachter Mensch

Böng = Kruste, Borke, Baumrinde

booren, geboot = baden, gebadet

Borjemääster = Bürgermeister

Bórm = Boden

Bötsch = Bube, Bengel

Bötsch = kleiner Junge

Bótterkier = Butterfaß

Bóx = Hose

bräät = breit

Bräätloof = Schnittlauch

Brabbes = steifer Brei

Braddel = dünner Brei

Brambern = Brombeeren

bréggen = mit Gewalt aushebeln

Breimaul = Großmaul

Breimehlsbrei = Brei aus (geröstetem) Hafermehl

Britzezaun = Latten- oder Palisadenzaun

Bröllersch, Bröllasch = unfruchtbare Kuh

Broora = Bruder

broren = braten

Brostlappen = Anzugsweste

bruddeln = blubbern, sprudeln

Brutsch = Schmollmund, auch schmutzige Brühe

Bur = Brunnen

Burm = Boden

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daüarschd = zuerst

Dääch = Teig

Däasdisch = Dienstag

dabäst = am besten

Dabbes = Tolpatsch

daister = dunkel

dalätzt = zuletzt

Dalles = Erkältung

dannen , dodannen, häidannen = von dort her, von hier her

daohnd = ohne das, ohne etwas

Darf = Dorf

darr = dürr

Darweg = Dorfweg, heute: obere Rheinstraße

dat = das

Déckkäpp = Kaulquappen

deef = tief

dégges = oft

deister = dunkel, duster

deit, deis = tut, tust

Dillchen = Hängeregal

doar = dar, hin

doargetroon = getratscht, gepetzt; hät doargetroon = es ist geraten

Döppen, Döpper = Topf, Töpfe

Dórra = Dotter

Dótz = Beule, auch: kleiner Junge

drill = flink, schnell

driwweleeren = antreiben, drängen

dröbbeln = tropfen

Düar = Tür

Dubaksböül = Tabaksbeutel

Duckentcher = Tauchenten

duggeln = sich ins Kissen einlullen

Durenhof = Totenhof, Friedhof

düskier = diesmal

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Earlätzen = Hornissen

Ehrem = Eidam, Schwiegersohn

ei - ään - ei = ein (männl., weibl. und sächliche Form)

eimol rond = eine Brotschnitte

éll = locker (Boden, Teig)

end’t = in das

endoonisch = teilnahmslos, lustlos

enk = eins (sächl. Form)

Enkel = Fußgelenk

enken = eins

ens, ensen = jetzt

entschlohn = lauwarm, angewärmt

erof = herauf

eröm = herum

ésch (éch) = ich

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fä = für

Fähsel = Nachgeburt der Kuh

fart = fort

fart-on = vorwärts

feechten = (unerlaubt) durchsuchen

Feldwooch = großes Zugscheit für Pflug und Egge

Fengsjen = kleiner Finger

fénnen = finden

Ferra = Feder

festisch = kränklich, bleichgesichtig

Féxfauer = Streichholz

Fies = Faser, Fädchen, Einzelhaar

fisseln = nieseln, leicht regnen

Flätsch = Katapultschleuder (Spielzeug)

flatschen = ohrfeigen

Floos = Flachs

Flößjen = Rinnsal

flótt = schnell

fludschen, dat fludscht = gleiten, rutschen, (Arbeit) geht schnell voran

Flutschen = Flügel vom Federvieh

Fóar = Furche

Fóch = Getreidereinigungsmaschine

fóchen = betteln, auch: pfeifend atmen

Foora = Futter

For(e)m = Faden

frääd = zäh

fräien, of de Fräi gohn = auf Brautschau gehen

Fräsch = Frosch

Freirisch = Freitag

frooch, froochen = frage, fragen

fuddeln = mogeln

Funes = Zuckerrübensirup

fürenzenoh = nach und nach

Fúß = Fuchs

Fussbomm = Buchsbaum

füssen, de Hoar vafüssen = sengen, die Haare versengen

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gäar = gern

Gäascht = Gerste

Gahanskiaschen = Johannisbeeren

Gähste-hönner-mich = Cut-, Frackanzug

Gäi, gäijen = Geige, geigen

gapschen = keuchen, nach Luft schnappen

Gedääts = Getue, Aufdringlichkeit

gefasst, e hät se g. = er hat Hiebe bekommen

gemählichs = gewöhnlich

gemarjen = guten Morgen

gemarjen = guten Morgen

Genählten (die) = die genagelten (Schuhe)

genowend = guten Abend

gerooren = geraten

Geröös = unaufgeräumte Dinge

geschlaucht = überanstrengt, strapaziert

gét = gibt

getröicht = getrocknet

Gewäh, em G. bläiwen = Bewegung, in B. bleiben

gewéggd (ech hon deret gewéggd!) = angedroht

Gewérra = Gewitter

Gezau = Webstuhl

giewen = gähnen

giggeln = kichern

Gimmen, gegimmt = Keime, gekeimt

glöhnisch = glühend

Goardebétz = Gartenwiese

goot, goora = gut, guter

goov = gab

Grinzen = kleine bzw. unreife Äpfel

Groomich = Grummet

Grosbomm = Sensenstiel

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= er

häaren = die Sense dengeln

haarre = links (Kommando für das Kuhgespann)

Häarstack = Amboß zum Dengeln der Sense

hääß = heiß

Haawer, Haawa = Hafer

Häckebóck = Zecke

hackeln = (Kind) auf dem Rücken tragen

häi = hier

Haifjen = kleine Hacke

Halderen = Hosenträger

Hamen = Pferdekummet

hampeln = schlacksig gehen, sich unkontrolliert bewegen

hanérra = hinunter

hanoh = hernach

Hänsch = Handschuh

hart = laut

Häzelchen = verwöhntes Kind, auch: Miniwurst beim Schlachten

Helm = Axt- oder Hackenstiel

henkelisch = überreif (Birnen)

Herft = Rauchfang, Räucherkammer

Hesselestääf = Ruten vom Haselnußstrauch

hief = rückwärts, zurück

Hillisch = Verlobung

Hinsch = Buchweizen

Hoar = Haar, Haare

Hóar, Höarder = Horn, Hörner der Kuh, auch Musikinstrumente

Hoarkeit = Einzelhaar

Höhnergrend = Gänsehaut

hoit = rechts (Kommando für das Kuhgespann)

Hóllen = Geister (met de Hóllen foahren = laut im Schlaf reden)

hon = habe(n)

hönnascht zevörascht = verkehrt herum (das Hinterste zuvorderst)

hönner = hinter

höören = (Vieh) hüten

hoost = hastig, eilig

Hóppas, verhóppast = selbstverschuldetes Mißgeschick, verhunzt

Hósbes = Leichtfuß, Nichtskönner

Hóssebännel = Strumpfband

Hossebrut = nicht aufgegessenes Vesperbrot

Hóssen = Strümpfe

Hóst = gemeinsames Verarbeiten von Bohnen, Zwetschen, Flachs

houtzedaach = heutzutage

Huard = Hühnerstall, auch erhöhte Tribüne für Spielleute

Hüardschen = Trockenrost für Obst, Nüsse usw.

hüaren, hoarte, häsde gehoart = hören, hörte, hast du gehört

Hubber = Rindenhupe

Huddel = schlechtes Provisorium

huddeln = unsorgfältig, oberflächlich arbeiten

Hülder = Holunder

Hülderrühr = Holunderrohr

Hutsch = Kröte

hutschen, verhutschen = hätscheln, verwöhnen

hüü = halt (Kommando für die Kühe)

Hüwwel = Haufen, Hügel

hüwweln, gehüwwelt = häufeln, gehäufelt

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japsen = keuchen

jaußen = draußen

jén = innen, drinnen

jéra = jeder

jónnen = unten im Haus

Joon = Teilstück auf dem Acker bei der Kartoffelernte

jöst = mager, unterernährt

jouschen = rauschen

jowen = oben im Haus

Jucht = Eile, Hetze, Furcht, Streß

juggeln = wackeln, unnütz herumfahren

Juppen = dickwollene Regenjacke

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kään = kein, keine

Käar = Keller

Kait, Käira = Einzelkorn, Körner

Kamesol = Überzieher

Kännel = Dachrinne

Käppschen = Kaffeetasse

Kärr = Karre

Kascht = Brotkruste

keef = kaufte

Kend, Kénna = Kind, Kinder

Képpanohl = Stecknadel

Keß = Ziehschieber (zum Herausziehen von Glut und Asche)

Kier = Kurve, de K. kräien = zeitlich hinkommen

kieren = Butter stampfen

Kiermellich = Buttermilch

klään = klein

Klass = Rinne am Straßenrand

Kleerer = Kleider

Klees = ausgefahrene Spurrinne auf dem feldweg

Klingel, en Klingel Goar = Garnknäuel

Klóft = Klumpen, Knäuel

Klöftjes = Bartnelken

knaatschen = weinerlich nörgeln

Knäpp = Knöpfe

Kneehack = Kniekehle

Kneipchen = kleines Küchenmesser

kniesdisch = unangenehm, schlecht, unausstehlich

knöll = lüstern, begierig

Köddel = Kotkugel, auch „kleiner mensch“

Kömpel = große Pfütze, Wasserloch

kóppeln = verbinden

Korra = Kater

Köüs = dicke Brotscheibe, dicker Apfel

Köwätz = Käfer, insbes. Maikäfer

Krääft = Mistgabel

Krai = Astgabel

kräjen = kriegen

kreischen = weinen

Krewen = Speckgrieben, früher auch: Schorf, Auschlag in der Mundgegend

Kröllesjer = Locken

krömmbelisch vakrömmbeln = verknautscht, zerknittern

krööksen = rülpsen, keuchen

Kröppelcher = Kräppel, „Berliner“

Krösch = Schrei, Geschrei

Krótz = Apfel-, Birnenrest

krouren = Unkraut rupfen, jäten

Kruul = Krug

kulchen = glühen, noch brennen ohne Flamme

Kurf = Kurbel

kwutschen = geräuschvoll quatschend hervorquellen

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läaken = lecken

lään = legen

lään, allään = allein

läien, läischt, loochte = liegen, liegt, legte

läiren = leiden

lammern = untätig im Dorf herumlaufen

läpschen = nässen, anfeuchten (Wäsche)

läsch = fad, salzlos

leeren = leiten, führen

Lei = Schiefer, Schiefertafel

Leich = Leichenbegräbnis, Beerdigung

Leirich = Leinentuch, Bettuch

Lénnewatz = nicht richtig kastriertes männl. Schwein

lérrich = leer

loo = da, dort, neulich, vor kurzem

Lood = Lade , Sarg

Lood, Looren = Edelreis zum Propfen

Lööfer = junges Schwein

Löpper = Ochse, auch: unverheirateter Onkel

lóslérrich = ledig, unverheiratet

Lótschen = Ampfer

Löüd = leute

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Maan = Mann

Mäasa = Messer

Mämm = Euter, in alter Zeit auch „Mutter“

mankieren = so tun als ob

Mann = Korb

manoli = verrückt (dau bes jo …)

manseneeren = bewältigen, handhaben

Marjen = Morgen

Märkel = Eichelhäher

Meckes = Nichtsnutz

Meier = Vogelmiere

Mellich = Milch

méng = mein, meine

mer (ma), mir = wir

merf = mürbe, vermodert

Méttvorra = Mit-Schwiegervater

mieh = mehr

moar = morgen

Moart = Markt

Módda = Mutter

Mohl = Back-, Schlachttrog

Molderhüwwel = Maulfwurfshügel

Mönnaschbisch = Mündersbach

mööd, möören = müde, müden

Moonisch = Montag

Moora (veraltet) = Mutter

Moos = Kohlgemüse (Ruut Moos, Sauermoos)

Mötsch = Mütze

mótzemarjen = morgen früh

Moul = Maul (Flickkappe auf der Schuhspitze)

Möüs = Mäuse

Muck = weibliches Schwein

Muffel, Müffelchen = Brotbrocken, „ein Mund voll“

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näämes = niemand

Nähl = Nägel

nähst = nach, zu etwas hin

nirrerijen = wiederkäuen

Nohl, Nähnohl = Nagel, Nadel, Nähnadel

nou = neu

Nou Strooß = Neue Straße

Nullen = die Nudeln

nüürich = nötig

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Oard = Feld-, Wiesengrundstück

öarschd = erst

öarschd = erst, zuerst

Odeich = Abfluß aus dem Keller

ofzóppeln = aufziehen

Ohles = Seitenraum in der Scheune

Óllich = Speiseöl

ömmer = immer

ömsóss = umsonst

ömströppen = umziehen

onduchen = schlitzohrig, gerissen

Onducht = Taugenichts, Bösewicht

ongestróppt = angezogen

Onn = (de Onn hon), den Anfang haben

Ónner = Nachmittag

Onwoard = Ausrede

Oos (die Oos) = die Achse am Fahrzeug

oos = uns, unser, unsere

oosen (et oost mich) = es widert mich an

órra = oder

Óss = Ochse

owendannen = von oben

ower = über, oberhalb

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Pann = Pfanne

Pänning = Pfennig

Panz, Pänz = Bengel, Lausbub(en)

Pasduar = Pastor, Pfarrer

pétschen = petzen, zwicken

Pétz = Brunnenloch

Piddeler = Feinarbeiter, geschickter Tüftler

piddeln = mit spitzen Fingern an etwas hantieren, knibbeln

Piffjen = Pfeifchen

placken = einen Flicken auf ein Kleidungsstück nähen (neu definieren!)

Placken, der = der Flicken

placken, geplackt = flicken, geflickt

Plättchen = Untertasse

Platter, platt = Reifenpanne am Fahrrad

P­ohl halen = standhalten

Pohohn = Pfauhuhn (Schimpfwort f. eingebildete Frau)

Pórrabach = Puderbach

prérrijen = predigen

Prómmen = Pflaumen

Pull = Jauche

püschb(e)ren = flüstern

putekrämbisch = verkrüppelt, krank

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Quaddelarsch = abfällig für einen kleinen Menschen

Quädderich = Ziehharmonika

Quallmänner = Pellkartoffeln

Quand, Quanden = kleine(r) Junge(n), auch: Füße

Queschen = dürres Kartoffelkraut

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Räachen = Heurechen

Rääkel = ungehobelter Mensch

Raaschs (nix Raaschs) = nichts Rares, Wertvolles

rabben = rupfen

Räff = Korb ohne Henkel

Rämmel = Wulst, Strang, Striemen

reed = fertig

reeren = Mehl sieben

reesen = sich zu Fuß beeilen

reilich = sauber

Rémmel, Rémmelskoochen = Streusel, Streuselkuchen

rieren, riaren = rütteln, schütteln

róffa = hinauf, herauf

Roichdróf = Freirachdorf

römbeln = unordentlich nähen, zusammenziehen

Rómmeln = Runkelrüben

Rómmelskoul = Runkelrübenmiete

róngenieren = ruinieren, zu Grunde richten

ronna = hinab, herab, hinunter, herunter

Rööf, Röwen = Rübe, Rüben

Rüls = Stechpalme, Ilex

Rungen = Stützarme am Wagen

rungsen = balgen

Rutloof = Schnupfen

zurück zur Auswahl

Säät = Saatkasten oder -wanne

sai = sie

schäalen = schimpfen

schaamen = schämen

Schabellchen = Schemel

schaier = roh, pur, ungemischt

Schäif = Scheibe

Schälchen = Untertasse

Schangstefeeschter = Schornsteinfeger

Schanzen = Reisigbündel

schärren = scharren, verteilen

Schaude = lächerlicher Mensch, Narr

schaweeren = herumschaffen

schécken = sich fügen, Platz machen

Scheel = Maulwurf

Schélzen = Frucht-, Kartoffelschalen

schenelieren = verletzen (von Haut, Rinde, Lackierung)

Schennoost = verdorbenes Wesen (Schimpfwort)

schibbeln = rollen

Schinches-Karf = halbkugelförmiger Korb aus Haselholzstreifen

Schlää = Flurname „In den Schlägen“

Schlää = Schläge, Prügel

schlabbern = sich bekleckern

Schlapp, Schläpp = Schleife(n)

schlauchisch = wählerisch (beim Essen)

Schlécks = Schluckauf

schlécksen = nachlassen (des Regens)

schleggeren = schütteln (verletzte Hand)

Schleimgroos = Quecke

Schleimgrooswössem = Queckenbüschel

Schléngen = Schlehen

Schlenk = Hohlweg, Enge

schliehe Zänn = stumpfe Zähne (wie von Schlehen)

Schlódderfaß = Wasserbehälter für den Wetzstein

Schlöpp = enger Durchlaß zwischen zwei Häusern

schlubben = säugen, saugen

schluußen = auftauen

Schméck = Bindfadenende am Peitschenriemen

Schméss = Schläge, Hiebe, Dresche

Schnääl = Schnecke

Schnabben = Schnupfen

Schnarres = Schnurrbart

Schnépp, off da = auf des Messers Schneide

Schnétzeln = getrocknete Obststücke

schnewen = schnaufen, atmen

Schnórra = Mundwerk (Schnatter)

Schnull, die = Rotz

Schnürch = Schwiegertochter

schöbb = schief

Schóddel = Schüssel

Scholz = Eierschale

Schoof = Totenbett

schoofel = todkrank

Schooren = Schaden

Schörweln = Scherben

Schoß = Gerät zum Einschießen von Brot in den Backofen

schößjer = Anekdoten

Schouer = Scheune

schräiwen = schreiben

schroh = häßlich

Schrónnen = Schrunden, Hautrisse

Schrouf = Bremsmechanik am Bauernwagen

Schrubbsack = Aufnehmer, Putzlappen

Schüarz = Schürze

schürren = schütten

schüün = schön

seggedeeren = ungehindert hantieren

segor, zegor = sogar

semelieren = nachdenken

séng = sein, seine

Senghässel = Brennessel

siewern = sabbern

Siff = Sieb

Sillen = Zugscheit, Zubehör für Zugtiergespann

Sonnisch = Sonntag

Soom = Raps, Samen

soon = sagen

sóß = sonst

Späi = Spucke

Spällern, Spällaren = schwere Backsscheite

speggelieren = etwas erwarten, herausfinden wollen

Spénnwädd = Spinnweben

Spéss = Grannen vom Roggen

spillen = spielen

splécken = spalten (Holz)

Spree = Spreu

spreeren = ausbreiten, streuen (Mist)

sprochär = sozusagen, zum Beispiel

stäachen (ch wie bei „auch“) = stechen

Stäafjen = Stöckchen

Stään = Steine

Stéggel = Stolprian (Schimpfwort)

Steinollich = Petroleum (Steinöl)

stéllhaalen = still- bzw. anhalten,

Stillmoos = Gemüse aus Stielen der Runkelrübenblätter

Stöckelcher = Stückchen, Anekdoten

Stollat = Krug

Sträckde, of S. gohn = abkürzen

Strang = heranwachsender Junge

Strétzbüchs = selbstgebastelte Wasserspritze aus Holunderrohr

Strétzmählen = wilde Melde (ein Unkraut)

stribsen = stehlen

ströbben = abstreifen, sich umkleiden

strunzen = sich großtun, angeben

struwwelisch = ungekämmt

Stuußvohl = Habicht, Greifvogel

sutschen = nässen (z.B. eine Wunde)

süüschen = suchen

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tiddeleeren = jemd. mit bösem Beinamen versehen

Tóffeln = Kartoffeln

Tóffelsäppel = Samenkapseln der Kartoffelstaude

Träppaling = Treppenstufe

trätschen, et räänt, darret trätscht, = es regnet, dass es platscht

treeren, troot = treten, trat

Treesch = Trockenwiese

troon, trooch, träät = tragen, trug, trägt

tröppeln = tropfen

tröü = trocken

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üarscht, daüarscht = erst, zuerst

Uarz = Überbleibsel (einer mahlzeit)

uch = euch

unnen = unten

unnendannen = von unten

Urjel = Orgel

üwwahöbben = überspringen, übergehen

Üwwaloo = Lagerfläche über der Tenne (aus Rundstangen)

üwwendannen = von drüben

üwwer-enken kómmen = übereins kommen

üwwerich = übrig

vabeeren = verbieten

vaquésten = verschwenden

varungsen = (das Bett) zerwühlen

vastóppen = verstecken

vaträiwen = vertreiben

Veerbähner = Molche

veralmedieren = sich (mit dem Nötigsten) versorgen

Verfang = gefährlicheVerdauungsstörung beim Rind

verkahlen = erkälten

verquésten = verschwenden

verzubbeln = durch Unachtsamkeit etwas verlieren

Vool, Vööl, Vöölcher = Vogel, Vögel, Vögelchen

Vöölskiarschestraich = Vogelkirschensträucher

Vorra = Vater

vür-en-ze-noh = nach und nach

Vürkapp = Stirnseite am Tisch, auch am Grundstück

Vürmenner = Vormund

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wackerich = wach

Wagges = dicker Stein

Wäier = Weiher

wäirer = weiter

wäisen = zeigen, weisen

Wäiwermänsch = Weibsperson, Frau

Warbeln = Wald-, Heidel- oder Blaubeeren

Wasserklärcher = Wasserläufer

Wässich = Molke

Week = Docht in Kerze oder Öllampe

well Fauer = Gesichtsrose (wildes Feuer)

wendersch = winters, im Winter

Wérra = Wetter

wérra = wieder

Wérraspill, det W. halen = nicht klein beigeben

Wiehdohn = (rheumatische) Schmerzen

Wißbomm = lange Stange zum Verzurren des Heuwagens

Witt = Bindeseil aus Stroh

wönsch = verdreht, verzogen (z. B. ein Rahmen)

Wööner = Wagner

Woost = Regen- oder Schneeschauer

Wösch, Strühwösch = besenähnlicher Wischer aus Stroh im Backhaus

Wossem = Rasen, Rasenstück

wudannen = woher

Wumsch = dicke Frau

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Zäckelcher = Haselkätzchen

zäirich = zeitig, reif

Zammeln = Fetzen, Fransen

Zant = Zahn

zärjen = Kinder provozieren, necken

zebarscht = (mehr als) genug

zeeren = Mähschwaden zum Trocknen ausbreiten

Zéll = Zettel

zemols = zumal

Zeng = Zehe

zérraren = zittern

zöücht = zieht

Zucht = Streit, Lärm, Unordnung

Zutt = Ausgießtülle

Zwiearschfor(e)m = Zwirnsfaden

zwing - zwo - zwaai = zwei (männl., weibl. und sächliche Form)

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Letzte Bearbeitung am Montag, 01 März 2010