Die Zimmerleute

 

Die Balken zum Bau der Fachwerkhäuser wurden mühsam mit extra breiten Äxten aus dem Stamm gehauen. Eine Arbeit, die eine gute Kenntnis der gewachsenen Holzstruktur der Baumstämme voraussetzte.

 

Auch krumme Stämme wurden verwertet und ähnliche Stücke dann symmetrisch, entgegen gesetzt im Fachwerk angeordnet, was noch zur Verschönerung des Fachwerks beitrug. Gut zu sehen am Haus von Manfred Hoffmann (Kouse-Struwwels-Haus, heute leider mit Platten beschlagen).

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Das Korbflechten

 

Rheinhold Dönges stellte Körbe für alle Zwecke und in allen Größen her. Körbe waren in der Landwirtschaft unentbehrlich und sicherten ihm ein bescheidenes aber fast regelmäßiges Einkommen.

Diese Flechtkunst wird heute in großer Perfektion noch von Margitta Greis ausgeübt.

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Das Weben

 

Hilda Schneider mit ihren Schwestern am Webstuhl, etwa um 1935. Das Webstuhlgerüst wurde in der Regel nach Weihnachten erst aufgeschlagen, denn es nahm in manchen Häusern fast die Hälfte der Wohnstube ein. Die Herrichtung fürs Weben dauerte tagelang, bis die Garne zurechtgespult und alle Fäden (ca.1000) geknüpft waren. Hierfür war viel Sachkenntnis erforderlich. Außerdem war das Weben anstrengend, da Arme und Beine der Weberin ständig in Bewegung waren.

 

   

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Das Schusterhandwerk

Das Schumacherhandwerk war im Dorf immer gut vertreten. "Leps Schustersch", "Föschersch Schustersch, (Wilhelm Enders)", Emil Birk und "Vattersch Schuster (Herbert Winkel)". Es gab nach 1940  zwei Schusterwerkstätten. Eine war im Haus von Eberhard Oettgen (Föschersch Schustersch, Wilhelm Enders) und die andere im Haus von Christel Sältzer. Im Bild sieht man den Schuhmachermeister Emil Birk. In früheren Zeiten konnte man das Wort Schuhmacher wörtlich nehmen, denn diese Zunft verstand es Schuhe wirklich zu machen. Derbe, alltagstaugliche Arbeitsschuhe aus Rindleder, beschlagen mit Nägeln und Stoßeisen. Für den Kirchgang und zum Tanzen aber auch aus feinem Leder und mit glatten Sohlen. Wilhelm Enders spannte zum Herstellen von Sonntagsschuhen auch seine Tochter ein, die das feine Leder auf ihrer alten Tretnähmaschine nähen musste. Die Arbeitsschuhe wurden von Hand genäht. Die festen Fäden wurden vorher durch ein Stück Pech gezogen um sie witterungsbeständiger zu machen. Diese Fäden nannte man wegen ihrer Festigkeit und Härte auch Pechdraht. Alle Arten von Riemen mit Schnallen und Ösen, sowie dünne Lederschnüre zum Schnüren der Schuhe und für die Peitschen ( Gäßeln ) wurden aus Leder geschnitten. An das Ende der Peitschenriemen wurde ein Stückchen verknotete Hanfschnur, "die Schméck", gebunden, die beim schnellen Schlag durch die Luft einen aufmunternden Knall für die Zugtiere erzeugte. Der größte Anteil der Schusterarbeit wurde für Reparaturarbeiten gebraucht. Da man ein Paar neue Schuhe sich regelrecht vom Mund absparen musste (an den Lebensmitteln! ), wurden diese Schuhe gut mit Tranfett gepflegt und bei geringsten Defekten zum Schuster zur Reparatur gebracht. In die hinterlassenen Löcher von verlorenen Nägeln und Stoßeisen wurden kleine Hartholzstifte, in der Dicke unserer heutigen Zündhölzer, geschlagen, die den Ersatznägeln wieder Halt gaben. Wenn sich diese Prozedur mehrmals wiederholt hatte, gaben auch diese Stifte keinen Halt mehr. Die Schuhe wurden dann weiter getragen bis die Ledersohle ganz durchgescheuert war und die Schuhe neu besohlt werden mussten.

   

Das Schmiede- ,Sattler- und Wagnerhandwerk

 
 

Auch die Mühlen des Dorfes wurden durch die  einheimischen Metall- und Holzhandwerker in Stand gehalten. Es gab teilweise 4 Schmieden in Mündersbach, und zwar eine in Struwwels Haus, eine hinter Duns Haus, eine auf dem Grundstück von Rolf Köhler, und die vierte Schmiede am Schulweg, die heute noch im Oberdorf unter Manfred Neuer geführt wird. Die Zimmerleute oben auf dieser Seite stehen vor der Schmiede die hier unten links abgebildet ist (Rolf Köhlers Grundstück). Von Neuers Schmiede, die heute in Teilen noch existiert, gibt es scheinbar, trotz Nachfrage keine Bilder, schade. Diese Schmiedevielfalt zeugt davon, das sehr viele Gebrauchsgegenstände durch die Handfertigkeit der Schmiede entstanden.  Das ging von einfachen Werkzeugen und Arbeitsvorrichtungen über Pflüge und Eggen, samt Transporthilfen, dem Vorderwagen des Pfluges, dem Eggenschlitten für die Egge , das Anfertigen und Anbringen von Hufeisen der verschiedensten Formen für Pferde und Kühe. Außerdem war bei verschiedenen Gebrauchsgegenständen die Zusammenarbeit mit dem Wagner, und dem Sattler erforderlich. Beim Wagner musste der Schmied verschiedene Stahlreifen, Hülsen und Bolzen für die Felgen und ihren Achslagern sowie die Metallteile der Wagenbremsen beisteuern. Der Sattler benötigte vom Schmied Haken, Ösen, Ringe und Ketten mit denen er die Zuggeschirre von Pferd und Kuh ausstattete. Als in den 40iger Jahren die ersten Kraftwagen wegen des Erreichens ihrer Lebensdauer ausrangiert wurden, waren es die Schmiede, die mit diesen alten Autorädern einen neuen, leisen und leichtgängigen Universalerntewagen bauten, den "Gummiwagen". Das beschauliche Knarren und Knirschen der hölzernen Wagen war zum Aussterben verurteilt.

Wie man sieht, wurde in der Vergangenheit, in so einem kleinen Dorf alles produziert was benötigt wurde. Diese Dorfgemeinschaften waren eigenständig und überlebensfähig, dank eines starken sozialen Zusammenhalts der Bewohner. Man war mit dem zufrieden, was man hatte. Es wurde geerntet was die Natur her gab. Gedüngt wurde mit den Ausscheidungen von Mensch und Tier, sowie allen anfallenden Pflanzenabfällen. Rübenblätter z.B., soweit sie während der Ernte nicht verfüttert wurden, blieben gleich auf dem Feld und wurden wieder eingepflügt. Ein Kreislauf, der keinerlei Umweltbelastungen erzeugte.

Rindergespann

Dieses Bild zeigt die beiden früher verwendeten Geschirre, Kummet und Joch, wobei das Joch, auch vom Preis her, meist bevorzugt wurde. Auch sieht man am verwendeten Material, Holz, Leder und Eisen, die oben geschilderte Beteiligung von Wagner, Sattler und Schmied.  Über die Zaumketten (am Kopf) sind die Köpfe der beiden Kühe mit einer Kette verbunden, um bei Leinenbetrieb die Köpfe beider Tiere in die gleiche, gewünschte Richtung ziehen zu können. Damit die Deichsel kein Eigenleben entwickeln kann, ist sie über Lederhalsbänder und mit Knebeln verstellbaren Ketten mit dem Hals der Tiere verbunden. Das geschmiedete Ringösenteil vorne an der Deichsel besitzt einen Haken in den man ein zusätzliches Zugscheidt einhängen konnte, um bei schweren Fuhren, Mist oder Klafterholz, eine oder zwei Kühe vorspannen konnte.

Der letzte Wagner war Walter Schneider (Neifen Walter). Bei ihm konnte man alle Gebrauchsgüter die aus Holz waren, machen lassen. Vom Hackenstiel übers Tellerbord bis zum hochbelastbaren hölzernen Erntewagen. Als Kinder hockten wir oft in seiner Werkstatt und lauschten den Erzählungen aus seiner Jugendzeit. Aus seinen Geschichten haben wir manchen Unfug übernommen, den wir in jugendlichem Übermut verfügt haben. Vorbei, es war die gute, alte Zeit. Im Gegensatz zu Heute, der Zeit der Globalisierung, der Gleichmachung. Alte Traditionen und Gemeinschaften lösen sich auf. Einfließende Amerikanismen verwässern die Kultur und schaffen ein Denken, bei dem es nur noch um materielle Dinge geht, ein Wachstumsdenken, das unsere Mutter Erde auf Dauer nicht befriedigen kann. Wir entnehmen mehr, als wir zurück geben, ein verhängnisvolles Tun.

Copyright © 2003 Gemeindeverwaltung Mündersbach, www.muendersbach.de , Alle Rechte vorbehalten. Letzte Bearbeitung am Montag, 01 März 2010