Erntearbeiten

 
Die Familie Görg und ein damals "kriegsgefangener" französischer Soldat bei der Grummeternte, die zweite Mahd der Wiesen.
Eine der strapaziösesten Arbeiten, vor allem für den Rücken, war das Ausgraben der Kartoffeln, aber auch das Auf- und Abladen und der Transport bis in den Keller war mit Einzentnersäcken (50 Kg) keine leichte Sache. Es ging hier ja nicht nur um die Küchenkartoffeln, Schweine und Hühner verbrauchten den größten Anteil.

Frühstückspause bei der Getreideernte 1936

Dasselbe 60 Jahre später, anlässlich der 750 Jahrfeier. Moderne Menschen haben inzwischen Angst vor Bodenkontakt und kleinen Tierchen, sie essen lieber im Stehen. Wahrscheinlich waren sie aber auch nicht so abgearbeitet wie die Menschen 1936, die froh waren, wenn sie einmal von den Beinen kamen

Adele und Egon Schlau üben manchmal auch heute noch die alten Arbeitsvorgänge aus, wie hier bei der Haferernte. Adele bindet die Garben nach altem Brauch mit einer "Strühwitt", einer Handvoll, in einer bestimmten Art zusammen gedrehter Getreidehalme. Bei den Hausten, so nannte man diese Garbengruppen, auf dem Bild oben kann man diese Strohbinde gut erkennen.

Etwa 1939 kamen die ersten halbautomatischen Erntegeräte auf den Markt. Karl und Hermann Görg trauten sich als erste ein solch teures Gerät, einen Mähbinder, anzuschaffen. Dieses Gerät hatte 2 Sitze, einen für den "Kutscher", da der Binder von Pferden gezogen wurde und der Bediener, der die neue Technik im Auge behalten musste da in den Anfängen doch öfters Störungen auftraten..

Die Trift (Viehtrift) eine Wasserstelle zum Tränken des Viehs. Die Kühe konnten, wenn sie durstig waren vom Weg abweichen und hier ihren Durst stillen. Besonders auf dem Rückweg von der Feldarbeit gingen die Tiere mitsamt Wagen und Gerätschaften, die sie hinter sich herzogen, durch die Trift, um sich am munter plätschernden Nass zu laben. Heute ist die Stelle, die neben anderen Merkmalen damals den Reiz eines Dorfes ausmachten, in dieser Form nicht mehr erkennbar.

Um die erste Spur des Getreidefeldes  nicht von den Tierhufen und den Rädern von Mähmaschinen und Bindern in den Dreck drücken zu lassen, mussten diese Felder angemäht werden. Das wurde in alter Manier mit der Sense, in der Breite der Mäheinrichtung, gemacht. Das nebenstehende Bild zeigt Gustav Walkenbach. beim Wetzen seiner Sense. Der Wetzstein, wurde in einem Köcher, dem "Schlódderfass", mit etwas Wasser und Essig am Gürtel auf dem Rücken getragen. Früher war dies ein hohles abgefallenes Kuhhorn. Später auch ein verzinkter Blechköcher. Im Hintergrund sieht man seine Mähmaschine die von Kühen gezogen wurde. Rechts an der Maschine sieht man die Ablagevorrichtung. War diese, in Arbeitsstellung, angehoben, wurden die abgemähten Halme gesammelt bis genug für eine Garbe beieinander waren, dann kippte  eine Fußbewegung die Ablage, wobei das Halmpaket abrutschte und von einem Helfer aufgehoben und gebunden wurde. Ein Selbstbinder dagegen warf fertige, einmal gebundene Garben aus.

Das Getreide wurde vor der Vollreife geschnitten. Richtig reife Körner wären bei dieser intensiven Behandlung aus den Ähren gefallen. Zum Ausreifen wurden jeweils 4 oder mehr Garben gegeneinander gestellt und oben zusammengebunden um noch einige Tage nachzureifen. Man fuhr dann die Garben zur Dreschhalle, oder lagerte sie bis zum Winter in der Scheune, um sie dann von einer von Haus zu Haus fahrenden Dreschmaschine dreschen zu lassen. Das linke Bild zeigt eine solche Maschine beim "Röbe Erich". Wenn man das Glück hatte, dass jemand mit einem Fotoapparat in der Nähe war, hat man natürlich gar zu gerne posiert, in der Hoffnung später für ein paar Pfennige auch ein Bild zu bekommen.

Lydia Greis (rechts) bei der Getreideernte, eine kleine Stärkung von ihrer Cousine  Ilse May

Man konnte ohne Gefahr mitten auf der Strasse miteinander reden

Festlich geschmückter Erntewagen zum Erntedankfest Esther Thiel und ihr Großvater Louis Altgeld mit einem Eggenschlitten
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1941 begannen einige technisch begabte Landwirte alte Autos zu landwirtschaftlichen Zugmaschinen umzubauen (Auf dem Bild Albert Walkenbach mit 2 einquartierten Soldaten). Um die nötige Kraft aus diesen PS-schwachen Fahrzeugen heraus zu holen, und um die Geschwindigkeit herab zu setzen wurde ein zusätzliches Getriebe (vom Schrottplatz) eingebaut. Reparaturen konnte man zu der Zeit noch gut selbst ausführen. Zündkerzen, Zündspule, Unterbrecher, Lichtmaschine und Vergaser waren die Dinge, die schon mal Schwierigkeiten machten. Mehr Technik war für ein Auto nicht nötig. Diese Technikbastler brachten es sogar fertig die Mähbalken ihrer alten Mähmaschinen in diese Fahrzeuge zu integrieren. Die Oberteile dieser Vehikel wurden, der besseren Rundumsicht wegen, einfach abgesägt. Auch die Türen wurden aus diesem Grund entfernt.

Esther Thiel 1950 am Steuer eines solchen "Acker-Cabriolets"

An Stelle der hinteren Sitzbank sieht man eine Holz-Pritsche, die dem Fahrzeug auch ohne Anhänger eine kleine Ladefläche für alle möglichen Werkzeuge zur Verfügung stellte.

copyright by H.A.Köhler - Stand: 01. März 2010.    ha-koehler@t-online.de